Google-Unternehmensprofil für die Arztpraxis richtig einrichten und pflegen
Google Unternehmensprofil für die Arztpraxis: Schritt für Schritt einrichten, Angaben pflegen und mit Bewertungen souverän umgehen.
Björn-Christian Müller
Gründer & Geschäftsführer
Ein Patient tippt abends auf dem Sofa den Namen einer Hautärztin in Google ein, weil er am nächsten Tag einen Termin braucht. Was er sieht, ist selten die Praxis-Website — sondern ein Kasten rechts oder oben mit Adresse, Öffnungszeiten, Fotos und Sternen. Das ist das Google-Unternehmensprofil, früher „Google My Business" genannt. Wie gepflegt es wirkt, entscheidet häufig schon, ob überhaupt angerufen wird. Genau in diesem Moment, in dem jemand unter Zeitdruck oder mit Beschwerden nach einer Praxis sucht, zählt jede Kleinigkeit: eine falsche Telefonnummer kostet einen Anruf, eine fehlende Öffnungszeit kostet einen Termin, und ein leeres Profil ohne Foto kostet oft schlicht das Vertrauen, das für den nächsten Klick nötig gewesen wäre.
Warum sich die Mühe lohnt
Ein Google-Unternehmensprofil kostet nichts und existiert in den meisten Fällen bereits, ob Sie sich darum gekümmert haben oder nicht. Google legt Einträge für Unternehmen oft automatisch an, sobald genügend öffentliche Informationen vorliegen, etwa aus Branchenverzeichnissen, alten Websiteangaben oder Einträgen Dritter. Das Problem daran: Unbestätigte Profile enthalten häufig veraltete Öffnungszeiten, falsche Telefonnummern oder gar keine Fotos — Angaben, für die niemand in der Praxis je die Verantwortung übernommen hat. Manchmal steht dort noch die alte Adresse einer Praxis, die vor Jahren umgezogen ist, oder es taucht eine Nebenstelle auf, die längst geschlossen wurde. Solche Karteileichen fallen selten der Praxis selbst auf, wohl aber den Patientinnen und Patienten, die vor der falschen Tür stehen.
Ein Drittel der Patientinnen und Patienten in Deutschland (34 Prozent) achtet laut einer Erhebung des Digitalverbands Bitkom bei der Arztwahl auf gute Online-Bewertungen. Das bedeutet nicht, dass jede Praxis aktiv Bewertungen sammeln sollte. Es bedeutet nur: Wer das Profil ignoriert, überlässt einen Teil der Entscheidung dem Zufall — oder der Konkurrenz nebenan, die ihr Profil gepflegt hat. Gerade bei Fachrichtungen mit langer Wartezeit, etwa in der Dermatologie oder bei Fachärzten mit wenigen Kassensitzen in der Region, entscheidet oft schon der erste Eindruck im Suchergebnis darüber, ob überhaupt ein Anruf erfolgt oder direkt die nächste Praxis in der Trefferliste angeklickt wird.
Zugriff sichern: der erste Schritt
Bevor an Inhalten gefeilt wird, muss klar sein, wem das Profil gehört. Häufig hat es vor Jahren ein Praxismitarbeiter, ein Webdesign-Dienstleister oder ein längst ausgeschiedener Kollege angelegt, der heute nicht mehr erreichbar ist. Gerade bei Praxisübernahmen ist das ein klassisches Problem: Die neue Inhaberin übernimmt die Räume, das Personal, die Patientenkartei — aber niemand hat an das Google-Konto der Vorgängerpraxis gedacht, das im Hintergrund weiterläuft und veraltete Angaben zeigt. In solchen Fällen lässt sich über die Google-Suche ein Anspruch auf das bestehende Profil stellen. Google verlangt dafür einen Nachweis der Inhaberschaft, etwa per Anruf, Postkarte oder Videoverifizierung. Etwas Geduld ist hier hilfreich, denn zwischen Antrag und Bestätigung können je nach gewähltem Verfahren einige Tage vergehen.
Existiert noch kein Profil, legen Sie es über business.google.com neu an. Wählen Sie dabei eine Kategorie, die möglichst genau zur Praxis passt — „Hausarztpraxis", „Zahnarztpraxis" oder „Kinderarztpraxis" statt lediglich „Arztpraxis". Diese Kategorie entscheidet mit darüber, bei welchen Suchanfragen das Profil überhaupt auftaucht. Wer beispielsweise als Facharzt für Orthopädie eingetragen ist, aber unter der allgemeinen Kategorie „Arzt" gelistet wird, verschenkt damit Sichtbarkeit bei genau den Suchanfragen, die potenzielle Patientinnen und Patienten wirklich stellen — etwa „Orthopäde in der Nähe" statt nur „Arzt in der Nähe". Zusätzliche Kategorien lassen sich ergänzen, sollten aber tatsächlich zutreffen und nicht nur der Reichweite wegen hinzugefügt werden.
Die Angaben, die wirklich zählen
Ein vollständiges Profil wirkt seriöser und liefert zugleich genau die Informationen, nach denen Patientinnen und Patienten vor dem ersten Kontakt suchen. Vier Punkte verdienen dabei besondere Aufmerksamkeit:
- Öffnungszeiten und Ausnahmen: Urlaubstage, Betriebsausflüge oder geänderte Sprechzeiten in den Ferien gehören eingetragen. Fehlen sie, stehen Patienten vor verschlossener Tür. Auch kurzfristige Änderungen, etwa eine Fortbildung am Nachmittag oder ein spontaner Brückentag, lassen sich im Profil als Sonderöffnungszeiten hinterlegen — das dauert nur wenige Minuten, verhindert aber unnötigen Ärger und vergebliche Anfahrten.
- Adresse und Anfahrt: Bei Praxen in Hinterhäusern oder Ärztehäusern hilft ein kurzer Hinweis im Beschreibungsfeld, etwa zum Eingang oder zur Parkplatzsituation. Wer schon einmal selbst vor einem unbeschrifteten Hauseingang stand und den Klingelknopf gesucht hat, weiß, wie viel ein Satz wie „Eingang über den Hinterhof, zweite Klingel von oben" an Nerven sparen kann.
- Telefonnummer und Website-Link: Beide sollten mit den Angaben im Impressum der Praxis-Website übereinstimmen, damit keine Verwirrung entsteht. Uneinheitliche Nummern, etwa eine alte Festnetznummer im Profil und eine neue auf der Website, verunsichern und wirken schnell unprofessionell.
- Fotos: Ein paar aktuelle Bilder vom Empfang oder Wartezimmer nehmen die Unsicherheit vor dem ersten Besuch. Gestellte Stockfotos wirken dagegen oft unpersönlich und austauschbar. Ein einfaches Handyfoto vom Anmeldetresen oder vom Wartebereich, gut ausgeleuchtet und ohne Patientinnen und Patienten im Bild, erfüllt seinen Zweck oft besser als ein teures Werbefoto.
Wer unsicher ist, wie die eigene Website neben dem Google-Profil aktuell dasteht, kann das mit einem kostenlosen Website-Check prüfen lassen. Er zeigt, wo Angaben auseinanderlaufen oder technische Basics fehlen.
Bewertungen: lesen, einordnen, reagieren
Bewertungen sind der Teil des Profils, der am meisten Nerven kostet und zugleich am meisten Wirkung entfaltet. Eine Fünf-Sterne-Bewertung mit drei Wörtern Text sagt wenig; eine ausführliche, ehrliche Rezension mit ein paar Kritikpunkten wirkt oft glaubwürdiger als eine lückenlose Wand aus Lob. Genau deshalb gelten Rezensionen für potenzielle Patientinnen und Patienten als hilfreich, wenn sie ehrlich und nachvollziehbar wirken — eine Mischung aus positiven und negativen Stimmen erscheint vertrauenswürdiger als reines Einheitslob. Ein einzelner kritischer Kommentar über eine lange Wartezeit, dem eine ruhige, sachliche Antwort der Praxis folgt, kann am Ende mehr Vertrauen schaffen als zehn kurze Lobeshymnen ohne jede Reaktion.
Auf negative Bewertungen zu reagieren, gehört zum Handwerk — nicht, um sich zu rechtfertigen, sondern um zu zeigen, dass Kritik ankommt und ernst genommen wird. Eine kurze, freundliche Antwort, die Verständnis zeigt und bei Bedarf ein persönliches Gespräch anbietet, reicht oft aus. Wichtig dabei: Keine Details zur Behandlung, Diagnose oder zum konkreten Praxisbesuch einer bestimmten Person öffentlich bestätigen oder kommentieren. Die ärztliche Schweigepflicht nach Paragraf 203 StGB gilt online genauso wie im Wartezimmer, selbst wenn der Patient selbst online geschrieben hat. Auch wenn die Versuchung groß ist, sich gegen eine als unfair empfundene Bewertung mit konkreten Fakten zu wehren, sollte im Zweifel lieber allgemein geantwortet und das persönliche Gespräch außerhalb der Plattform gesucht werden.
Anreize für Bewertungen — Rabatte, Gutscheine oder ein „Dankeschön" für fünf Sterne — sind tabu. Das verstößt gegen die Google-Richtlinien und wirkt bei genauerem Hinsehen ohnehin nicht vertrauenswürdig. Eine neutrale Bitte um ehrliches Feedback nach dem Termin ist dagegen üblich und unproblematisch, etwa ein kleiner Hinweis am Empfang oder eine Karte mit dem Link zum Profil, ohne Andeutung, welche Bewertung gewünscht wäre.
Barrierefreiheit und weitere Details nicht vergessen
Im Profil lässt sich angeben, ob die Praxis rollstuhlgerecht zugänglich ist, ob es einen barrierefreien Eingang oder eine barrierefreie Toilette gibt. Für einen Teil der Patientinnen und Patienten entscheiden genau diese Angaben darüber, ob ein Termin überhaupt infrage kommt. Wer im Rollstuhl sitzt oder mit Rollator unterwegs ist, möchte das vorher wissen und nicht erst vor Ort feststellen, dass eine Stufe den Zugang versperrt. Diese Angaben kosten nur wenige Klicks, werden aber trotzdem regelmäßig übersehen, weil sie beim Einrichten des Profils schnell in den Untermenüs untergehen.
Auch das Beschreibungsfeld verdient einen zweiten Blick. Hier ist Platz für ein, zwei Sätze zum Praxisschwerpunkt oder zur Ausrichtung der Praxis. Bei der Wortwahl lohnt Zurückhaltung: Heilversprechen oder reißerische Formulierungen sind bei Gesundheitsleistungen nicht nur unpassend, sondern können auch werberechtlich problematisch werden — ein nüchterner, sachlicher Ton kommt am Ende glaubwürdiger an als jede Superlative. Ein Satz wie „Hausärztliche Versorgung mit Schwerpunkt Diabetologie" wirkt seriöser und informativer als vollmundige Werbesprache.
Häufige Stolpersteine
Ein Profil, das seit Jahren niemand mehr angefasst hat, sammelt fast automatisch Fehler an: alte Ärztenamen, eine geschlossene Nebenstelle, eine verwaiste Telefonnummer. Wer den Zugriff einmal geklärt hat, sollte sich einen festen Rhythmus setzen — etwa vierteljährlich kurz durchsehen, ob Öffnungszeiten, Fotos und Kontaktdaten noch stimmen. Das kostet wenig Zeit, verhindert aber, dass sich Fehler über Jahre unbemerkt festsetzen. Ein einfacher Kalendereintrag, etwa jeweils zu Quartalsbeginn, reicht meist schon aus, um das Profil im Blick zu behalten, ohne dass es zur Dauerbeschäftigung wird.
Ein zweiter Stolperstein sind mehrere Profile für dieselbe Praxis, entstanden durch Umzüge, Praxisübernahmen oder doppelte Einträge verschiedener Mitarbeiter. Das kommt öfter vor, als man denkt: Ein Mitarbeiter legt versehentlich ein neues Profil an, weil er das bestehende nicht findet, und schon existieren zwei Einträge parallel nebeneinander. Google bietet eine Funktion, um doppelte Profile zusammenzuführen oder zu melden. Das lohnt sich, denn sonst verteilen sich Bewertungen auf mehrere Einträge und schwächen die Sichtbarkeit der Praxis insgesamt — im schlimmsten Fall landen Patientinnen und Patienten auf dem veralteten Profil und finden dort eine falsche Telefonnummer oder gar keine aktuellen Öffnungszeiten.
Fazit: Womit anfangen?
Zuerst klären, wer Zugriff auf das Profil hat, und diesen Zugriff auf ein Praxis-Konto legen, das nicht an einer einzelnen Person hängt. Danach die Basisangaben durchgehen: Öffnungszeiten, Kategorie, Adresse, ein paar aktuelle Fotos. Erst im Anschluss lohnt sich der Blick auf Bewertungen und Feinschliff wie die Barrierefreiheit-Angaben. Wer diese Reihenfolge einhält, spart sich unnötige Umwege und stellt sicher, dass die Grundlagen stimmen, bevor Zeit in Detailfragen investiert wird. Mehr braucht es für den Anfang nicht — der Rest ist laufende Pflege, kein einmaliges Projekt. Wer die eigene Website ohnehin überarbeiten will, findet im Ratgeber weitere Beiträge rund um die digitale Sichtbarkeit der Praxis, und mehr zur Einrichtung des Profils steht unter Google-Unternehmensprofil.
Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.
Häufige Fragen
- Ist ein Google-Unternehmensprofil für Arztpraxen kostenlos?
- Ja. Das Anlegen, Bestätigen und Pflegen des Profils kostet nichts. Aufwand entsteht nur durch die Zeit, die Sie für die Pflege der Angaben, Fotos und Antworten einplanen.
- Muss ich auf jede Bewertung antworten?
- Eine Pflicht gibt es nicht. Sinnvoll ist es trotzdem, zumindest auf negative Bewertungen sachlich zu reagieren, ohne Details zur Behandlung zu nennen, da die Schweigepflicht nach Paragraf 203 StGB auch online gilt.
- Wer in der Praxis sollte das Profil verwalten?
- Meist übernimmt das die Praxisleitung oder eine benannte Person aus dem Praxismanagement. Wichtig ist, dass der Zugriff nicht an einer einzelnen Privatperson hängt, sondern über ein Praxis-Konto läuft, das auch bei Personalwechsel erreichbar bleibt.
- Darf ich Patientinnen und Patienten um eine Bewertung bitten?
- Eine allgemeine Bitte um ehrliches Feedback ist üblich. Anreize wie Rabatte für positive Bewertungen sind dagegen nicht erlaubt und laut Google-Hilfe ein Verstoß gegen die Rezensionsrichtlinien.
- Ersetzt das Google-Unternehmensprofil eine eigene Website?
- Nein. Das Profil ist eine gute Ergänzung für Auffindbarkeit auf Google Maps und in der Suche, ersetzt aber keine eigene Website mit Terminbuchung, Leistungsübersicht und Impressum.
Quellen
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